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Der Bauernhof meiner Großeltern

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Ich weiß noch heute wie es war, wenn Ferien waren und mein Bruder, meine Mutter und ich zu meinen Großeltern gefahren sind.

Gute vier Stunden Autofahrt. Damals war das immer ein Erlebnis.

Meine Großeltern hatten damals einen sehr alten Bauernhof, der von Generation zu Generation weitergegeben wurde. Ich freute mich immer sehr, besonders auf meine Oma. Eine sehr liebe Frau.

Damals war mir vieles nicht bewusst. Besonders nicht das Wurst und Fleisch aus toten Tieren hergestellt wird. Meine Mutter hat mir solche Dinge nie gesagt, vielleicht auch einfach weil es normal für sie war und es für sie kein Thema war.

Ich weiß noch, wie gerne ich die selbstgemachte Wurst aß die mein Opa herstellte. Es war Wurst, ja, aber mir war nicht bewusst das Wurst aus Tieren gemacht wird. Ich habe Tiere immer sehr gerne gehabt, habe immer gerne mit den Hoftieren gespielt, sie gestreichelt und einfach gerne angesehen.

Meine Großeltern hatten nur einen sehr kleinen Bauernhof. Zwei Schweine, eine Handvoll Katzen, vielleicht dreißig Hühner, einen Hahn (von seinem gekrähe wurde ich immer Pünktlich um sechs Uhr geweckt!), ein paar Schafe, ein paar Kaninchen und ein kleines, dickes Meerschweinchen.

Als ich sechs Jahre alt war, fuhren wir wieder einmal zu meinen Großeltern. Abends gab es immer in der Stube eine reich gedeckte Tafel, natürlich viele grobe Wurstsorten und viele eingekochte Wurstsorten. Meine lieblingswurst war die Blutwurst.

Am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, schlenderte ich durch das Bauernhaus. Dieses war schon etwas größer und sehr verwinkelt. Es gab eine große Küche mit dazugehöriger Speisekammer. Ich kann mich noch an den Geruch erinnern der immer aus der Kammer strömte. Würzig, aber für mich nicht angenehm, ich verband mit dem Geruch nichts Leckeres. An diesem Morgen war der Vorhang der Speisekammer etwas zur Seite gezogen und ich sah meinen Opa wie er vornüber gebeugt etwas in einer kleinen Wanne mit seinen Unterarmen verrührte. Ich trat näher und sah dass die Wanne voller roter Flüssigkeit war, auch bis dahin war mir nicht bewusst dass es sich um Blut handelt. Ich fragte meinen Opa was er da tue. Er sah mich nur an und sagte „na, ich mache deine Lieblingswurst! Das ist doch Blutwurst, und die wird aus Blut gemacht!“.

Nie wieder habe ich diese Wurst gegessen.

Auch war es normal dass mein Opa ein Kaninchen oder ein Huhn schlachtete wenn wir zu Besuch waren. Ich fand es immer schrecklich wenn ich die Tiere schreien gehört habe.

Mit den Jahren ist mir klar geworden, dass mein Opa der Dorfschlachter war. Ich wollte kein Fleisch mehr essen wo er das Tier geschlachtet hat. Er musste es woanders kaufen.

Dies war mein erstes Erlebnis indem ich bewusst wahrgenommen habe, dass Wurst aus toten Tieren hergestellt wird. Ich konnte es nie vergessen wie mein Opa da stand, die Unterarme voller Blut, der Geruch.

Ich habe als Kind sehr gerne Fleisch gegessen, besonders Schnitzel. Aber hat mir auch niemand gesagt dass ich tote Tiere esse. Meine Tochter habe ich schon sehr früh aufgeklärt. Ich wollte nicht dass es ihr so ergeht wie mir. Auch darf ich heute noch nicht wahrheitsgemäß Antworten, wenn meine Nichten oder Neffen mich fragen warum ich kein Fleisch esse. Mir wird dann oft die Antwort vorweg genommen das ich es einfach nicht mag. Ich darf kein Wort darüber verlieren das ich keine toten Tiere esse. Es wird den Kindern gegenüber verleugnet das Tiere für ihre Bärchenwurst sterben mussten. Eine Farce.

Der Bauernhof meiner Großeltern
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